'Pour que vous me reconnaissiez à la gare, je peux vous dire que je suis petite (157cm), les cheveux courts, châtains clairs, mince et des lunettes. Je vous attendrai donc devant les guichets'. Am Bahnhof von Genf also haben wir sie getroffen, die Tochter des ehemaligen Besitzers unserer neuesten Schnapsidee. Nennen wir sie Mme Michelin. Sie sollte uns sogleich in die Tiefgarage des Hauptbahnhofs führen.

 

 

81er STI mit 156tkm. Beulen, Schrammen, teilmatter Lack. Eingebrannte Insekten wurden jeweils mit der rauhen Seite des Küchenschwamms gründlich entfernt. Das perfekte Objekt für unseren Zweck. Denn dieser ist eigentlich, ein Fahrzeug vor eine bereits organisierte Anhängerkupplung zu stellen. Und diese wiederum zieht dann Rogers frisch angeschafften RAPIDO in die Sommerferien.

Aber dieses Auto soll noch mehr Fliegen auf einen Schlag töten. Getreu unserem Vorsatz, nie zwei Mal mit dem selben Auto an der 'en route!' teilzunehmen, wird es uns auch dort seine Dienste leisten. Dann soll es ausserdem im nächsten Winter zum Wüstenschiff mutieren, damit wir von der Planung einer 'en route !' durch den Maghreb zumindest weiterhin träumen dürfen. Und zu guter Letzt wird es uns spielen und niedere Instinkte ausleben lassen. Therapieobjekt sein. Optisch soll die Karre auf Bidonville getrimmt werden. So wie sie in den Neunzigern noch überall rumstand in der Banlieu. Windabweiser an die Seitenscheiben, Holzkügeli auf die Vordersitze, gelbe Zusatzscheinwerfer, aufgeklebte Peugeot.-Talbot-Sport Sonnenblende etc.

Die ZH-Nummer trägt der Wagen übrigens, weil Mme Michelins Vater aus Zürich stammt und dort in einem Altersheim lebt. Als dessen Ehefrau vor ein paar Wochen verstarb, musste der Wagen anlässlich der Hausräumung weg und gelangte deshalb zur Tochter nach Genf.

 

 

Was die solide Karrosserie optisch gelitten hat, kompensiert die Technik. Sie präsentiert sich in sehr gutem Zustand. Hier wurden in den letzten Jahren vor dem Altersheim noch tausende von Franken investiert. Inkl. neuer Hinterachsschwingen und eines neuen Mengenteilers. Auch die Federbeine vorne sind neuwertig. Wir bezahlen Mme Michelin für den grundsoliden Wagen 1'700.-- . So war das telefonisch vereinbart. Was nicht vereinbart war - und wir kaum fassen konnten - war, dass sie den Wagen extra noch für den Verkauf durchchecken liess. Dabei wurde kurzerhand noch ein nagelneuer Kühler für 700.-- (inkl. Arbeit) eingebaut! Es sei ihr halt einfach wichtig, dass alles i.O. sei...tief durchatmen. Wann haben wir sowas zum letzten Mal erlebt? Bei einem Auto für 1'700.--? Bei der Verabschiedung meinte sie nur, wir sollen uns auf jeden Fall melden, sollte etwas mit dem Auto nicht in Ordnung sein (...).

 

 

Auch sonst zeigt sich Mme Michelin von der hilfsbereiten (sie bezahlt das Parkticket!!!) und vertrauensvollen Seite. Sie liess uns den Wagen bedenkenlos mit der Autonummer ihres Vaters überführen. Nicht darüber nachdenkend, dass das Ding zwei Stunden später auch in einem Schaufenster eines Genfer Juweliers hätte landen können. Gefilmt von einer pixeligen Überwachungskamera.

 

 

Kaum auf der Autobahn fliegt uns beinahe die Motorhaube um die Ohren. Richtig schliessen, und weiter gehts zurück in den Osten.

 

 

Wir freuen uns immer, wenn die Verkäufer vergessen das Handschuhfach zu leeren. Da drin finden sich oft Zeugen eines ganzen Autolebens und es lassen sich manchmal interessante Rückschlüsse auf die Besitzer und ihre Gewohnheiten ziehen.

 

 

 

Jederzeit bereit für's Picknick am Strassenrand.

 

 

Der Aufforderung wurde offensichtlich Folge geleistet!

 

Madame hatte ja Zeit auf den langen Reisen durch Frankreich. Dass diese stattgefunden haben wird durch zahlreiche Strassenkarten belegt.

 

 

Ein Langstreckenfahrzeug soll er ja gewesen sein, glaubt man jedenfalls der zeitgenössischen Werbung. Erfrischungstücher sind da Pflicht.

 

 

300 km bis nach Hause. Also rein mit dem Tiger! Esso gehörte ja damals quasi zur Familie.

 

Irgendwie Hijacked wirkt der alte Löwe, oder?

 

 

Autsch...

 

 

Autobahnraststätten sind oft Treffpunkt interessanter Raritäten. Hier ein bulgarisches Wohnmobil.

 

 

 

Auf dem Parkplatz im schmeichelhaften Abendlicht begutachten wir den Wagen mal gründlicher von aussen. Dabei können wir es nicht lassen, uns über die Platzierung der Zusatzscheinwerfer erste Gedanken zu machen.

Zeit wieder einzusteigen und nachhause zu fahren. Regelmässige Leser wissen, dass wir bereits zwei Mal von den Flics aufgegriffen wurden als wir auf Parkplätzen um einen alten Peugeot rumgeschlichen sind...

 

 

Wie immer wenn wir nach Feierabend noch Autos im Westen holen wird es spät. Der Wagen cruist unglaublich komfortabel und samtig über die Autobahn. Um die noch dunkle Digitaluhr und die Innenbeleuchtung kümmern wir uns bald.

 

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