Die Suche nach dem Peugeot 304 Cabriolet

Erst einmal die Inserate auf den einschlägigen Seiten studieren, das kennen wir. Nun die Auswahl war nicht gerade überwältigend, versprach aber eine schöne Ausfahrt mit unserem 504 in den Schweizer Jura und ins Freiburgerland. Mit dem Hinweis auf die schönen Landschaften und dem Versprechen eines anschliessenden Nachtessens in einem (noch zu suchenden) abgelegenen Gasthof auf dem Lande, konnte ich meine Liebste davon überzeugen mich zu begleiten. Ich würde mich auch jeweils sehr beeilen bei der Untersuchung der potentiellen Objekte meiner Begierde..

Auto Nr. 1 war mit folgenden Fotos und dem Hinweis 'bon état, Hardtop' ausgeschrieben. Ich Muss dazu sagen, dass mir kurze Beschreibungen eher lieber sind, als endlose Aufzählungen von ersetzten Unterbrechern, sogenannt 'neuen Bremsen', frischen Services etc., welche jeweils eher darauf hindeuten, dass die Kiste hoffnungslos korrodiert ist...

Sieht doch nett aus! Der Rally-Kleber deutet auf ein gepflegtes Clubfahrzeug hin oder? Nichts wie hin! Bester Laune machten wir uns auf den Weg in den Jura und genossen das schöne aber kalte Wetter im November. Dass das Fahrzeug in einer sehr kleinen Ortschaft stationiert war, machte die Suche noch spannender und die Vorfreude wuchs. Endlich fanden wir die ebenso kleine Garage, welche nur in Ermangelung eines Hinterhofes (auf dem Lande) nicht als Hinterhofgarage zu bezeichnen wäre. Macht aber nichts, im Gegenteil, ich hab' schon manche gute Erfahrung mit kleinen Betrieben gemacht. Ausserdem stieg mein Adrenalinpegel, und mein Urteilsvermögen und die Objektivität begannen sich wie üblich langsam zu verabschieden...Trotzdem versuchte ich mich zur Ruhe zu zwingen und schaute mir erst einmal die anderen, auf dem Vorplatz stehenden, Gebrauchtwagen an. Giulietta, R5 turbo, Jaguar Serie ll. Alles nicht gerade unkapriziöse Fahrzeuge in neuem Lackkleid, zu sehr günstigen Preisen...Noch immer nichts ahnend näherte ich mich dem dunkeln Loch, welches mir der Eingang zur Werkstatt zu sein schien. Irgend etwas leuchtete mir maisgelb mit geöffneter Motorhaube entgegen. Kein Mensch weit und breit. Nur das summende Ladegerät im Motorraum deutete darauf hin, dass ich erwartet wurde.

Ein kurzer Blick auf die Batterie, liessen mir Zweifel aufkommen, ob sich diese nochmals zum Leben erwecken liesse. Mittlerweile erschien der Meister und erklärte mir, dass ich unbedingt erst eine Pobefahrt machen solle, und danach das Auto immer noch auf der Bühne genauer anschauen könne. Dass das Auto wegen toter Batterie halt nicht abgewürgt werden solle während der Fahrt, traute ich mir gerade noch so zu. Dass allerdings auch der Leerlauf durch Abwesenheit glänzte machte die Sache schon ein wenig schwieriger. Immerhin, oberhalb von 2000 U/min lief das Motörchen wie eine Eins. Im Falle eines Kaufes würde der Meister das noch richten. 'Juste un petit règlage', wie er meinte. Nun denn, trotz eines fiesen Rotlichtes bei einer Ueberlandbaustelle (Wartezeit locker 5') schafften wir es zurück zur Garage. Meine Liebste zweifelte wieder einmal an meinem Geisteszustand...'Der läuft ja nicht mal!'...Was sie hier eigentlich früh glasklar erkannte, dämmerte mir erst später auf der Hebebühne. Was ich dort zu sehen bekam zerstörte dann doch meinen felsenfesten Optimismus. Auch der tiefe Blick in den Kofferraum offenbarte eine Briefmarkensammlung der besonderen Art. Und alle Kanten rund ums Auto bemühten sich redlich, sich des kürzlich aufgetragenen, lästigen Farbfilms wieder zu entledigen. Der Meister: 'Mais qu'est-ce-que tu veux? Elle est pas neuve!'...

Freundlich verabschiedeten wir uns Richtung Freiburgerland. Zwischen ein Paar Bauernhöfen fanden wir schliesslich eine Peugeot-Garage, in welcher scheinbar die Zeit stehen geblieben ist...Ein Vorvorkriegs Peugeot im Showroom. Auf dem Hof ein 404 U10 in Topzustand liessen meinen Atem stocken und plötzlich war der 304 im Keller nicht mehr so wichtig...

Aber alles Verhandeln und Bitten nützte nichts...Den würde es nicht geben. Also ab ins Untergeschoss zum Peugeot 304 S Cabriolet. Kein Blender. Ein sehr sympathischer Besitzer zeigte mir alle Fehler (fehlende Teile, Karies etc.) des Autos ohne Nachfrage. Trotz guter Blechsubstanz würde da noch einige Arbeit auf mich warten, und ich wollte doch im nächsten Frühling fahren...

Mittlerweile schon spät, wurde es Zeit das Versprechen mit dem Nachtessen einzulösen und die Geduld meiner Liebsten nicht zu stark zu beanspruchen. Der freundliche Verkäufer riet mir, sein Angebot in Ruhe zu überdenken und gab mir einen perfekten Tipp für das Nachtessen mit auf den Weg. Der Mann war so freundlich, dass ich es beinahe bedauerte, ihm sein Auto nicht abzukaufen. Aber ich wollte halt lieber ein geprüftes, fahrbereites Exemplar.

Ein solches sollte ich noch in der gleichen Woche finden. Ebenfalls im Internet durch einen Händler ausgeschrieben, welcher sich auf 70er Jahre-Autos mit geringer Kilometerleistung spezialisiert hat. Noch nie hab ich einen alten Peugeot bei einem Händler gekauft. Dieser machte mir einen guten Eindruck, weil er freimütig zugab, dass er wenig Ahnung von der Technik habe. Er lasse die Autos von einer Garage vorführen und verkaufe sie dann ohne Garantie. Ich müsse mir den Wagen halt selber genau ansehen. Nichts wie hin! Schliesslich versprachen 61tkm einen passablen Zustand, und vorgeführt war der Wagen ja. Erstaunlicherweise passte auch der Preis. Deutlich unter dem Seelenverkäufer aus dem Jura. Schön erhaltenes Interieur, Beule im vorderen Kotflügel, neues Verdeck, gesunder Motorträger, überzeugende Probefahrt. Konto räumen. Freude herrscht!

Und weil die letzten Sätze so schön tönen, hier noch die ganze Wahrheit, welche sich im Laufe der folgenden Wochen gezeigt hat. Kupplung total verölt und flach...hat mir mein Adrenalin auf der Probefahrt wieder einen Streich gespielt? Simmering und Kupplungsscheibe bestellt. Spezialabzug von einer Garage ausgeliehen (ohne geht gar nix). Kupplung raus, Simmering rein. Die Kupplungsscheibe will aber nicht in den Korb, da falscher Durchmesser geliefert. Richtiger Durchmesser auch in Sochaux nicht mehr lieferbar...Ok, die alte Scheibe neu belegen lassen (Aber das Konto war doch schon geräumt...). Der neue Belag war zu dick (!). Dies merkte ich natürlich erst NACH erfolgtem Einbau... Die Kupplung löste nicht mehr. Nach erneuten 6 Stunden und einem unorthodoxen Eingriff war die Kupplung wieder drin und funktionierte... Aber irgendwie machts das ja aus. Vielleicht wär mir der Wagen nur halb so sympathisch, wäre er perfekt. Insgesamt grosse Freude mit dem kleinen Wagen, dessen lebhafter Motor mich immer wieder begeistert! Hat Peugeot doch einmal einen Sportwagen gebaut?

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