Frankreich im Jahrhundertsommer

Nun ist der Peugeot J7 ja eher berühmt berüchtigt für seine Temperaturprobleme mit seinem gekapselten Motor. Was im Winter eindeutig Vorteile bringt, wenn die Heizung vergeblich gegen die Kälte kämpft. Dann freut man sich doch über die warme Motorabdeckung in der Pilotenkanzel. Dass am ersten Tag unserer 3000km Reise durch Frankreich schon deutlich über 35° herrschten, machte mir vorerst noch wenig Sorgen. Kühlerabdeckung weg und weiterfahren...Das ging solange wir fuhren. Doch im bergigen Gelände des Zentralmassivs begann die rote Lampe erstmals scheu zu glühen. Ok. Stufe 2... Heizung an und Schiebetüren auf. Ich machte mir angesichts der Wettervorhersagen schon langsam ein wenig Sorgen. Hält die Kopfdichtung? Wir fuhren die nächste Waschanlage an um den Kühler 'von hinten' durchzuwaschen um wenigstens alle gesammelten Trockenmücken aus dem Kühlgeflecht zu blasen. Viel halfs nicht...Lustig wurde es immer dann, wenn wir nach längerer Ueberlandstrecke in einen Ort fuhren und wegen Ampeln oder Staus anhalten mussten. Die plötzlich fehlende Kühlluft verursachte sofort einen Wärmestau und der Motor starb mit herzerweichendem Röcheln. Sehr zur Freude der anderen Stauteilnehmer in den engen Strassen der kleinen französischen Städtchen. Stufe 3 war angesagt...Motorabdeckung angehoben damit die Wärme raus kann. Raus ins Fahrerhäuschen! Bei 110 dB aber zufrieden konnten so die manchmal unvermeidlichen Tagesetappen gemeistert werden. Belohnt wurden wir mit einem der wohl schönsten Stellplätze auf einem Campingplatz in der Nähe von Biarritz!

Hier bleiben wir eine Woche. Frankreich geniessen. Kochen.

Die Temperaturen stiegen gegen 40° tagsüber. Wir verlegten die längeren Etappen nun in die Nachtstunden.

Wenn die kommen heisst es gegensteuern und beten...

Péage um 3 Uhr morgens irgendwo in der Bretagne.

Unsere Spitzengeschwindigkeit...Warum sollten wir erst nach der Rückkehr wirklich herausfinden. Aber da kündigt sich etwas an, was uns auf der Heimreise zunehmend Sorgen macht. Wir beabsichtigen von Montpellier direkt zurück in die Schweiz zu fahren und dazu die kühlen Nachtstunden zu nutzen. Tagsüber wurde es nämlich immer ungemütlicher, zumal nun auch noch regelrechte Steppenbrände direkt an der Strasse wüteten...

Kurz vor dem Eindunkeln vor Lyon wird unser J7 immer langsamer. Bei Vollgas sackt die Leistung in den Keller. Im Teillastbereich kann noch mit ca. 60 kmh gefahren werden. Aber wehe wenns bergauf geht. Uns graut schon vor den brutalen Autobahnsteigungen in der Nähe von Nantua vor Genf...Zündung hab ich neu gemacht vor der Abfahrt. Passt auch nicht zu den Symptomen...Benzinpumpe? Schon eher wahrscheinlich. Hab ich zum Glück mit. Oder hängt die Vergasernadel? Oder Vergaser verschmutzt? Mittlerweile 10 Stunden auf der Strasse wollen wir nur nachhause. Also weiterfahren. Aber die Steigung kommt unerbittlich näher. Mit 20km/h gehts auf der Kriechspur bergan. Ab und zu ein wildgewordener Franzose mit 150 auf der linken. Und dann ist es soweit...Nix geht mehr....Kurz vor der Notrufsäule ist Feierabend.

Ganz geschlagen geben wollen wir uns allerdings noch nicht. Aber versucht mal die Benzinpumpe zu wechseln bei Dunkelheit und einem glühenden Motor? Meine Liebste leerte mir von oben kühles Mineralwasser über die Finger, so hats dann irgendwie geklappt. Nur geholfen hats nicht. Ziemlich entmutigt zog ich nun doch in Betracht, was ich doch verhindern wollte! Unser J7 auf einem Hänger...

Mittlerweile nach Mitternacht, liess es sich der freundliche Pannenhelfer nicht nehmen unser Gefährt in seiner Garage genauer zu untersuchen. Er blies den Vergaser aus, was jedoch auch nicht half. Dafür durften wir auf seinem Hinterhof unser Nachtquartier beziehen. Wenigstens hatten wir ja alles dabei und im Kühlschrank noch ein kühles Bier...

Am nächsten Morgen mit dem Fahrrad zur örtlichen Peugeot-Garage und um Hilfe ersucht. Nun wollte ich doch noch einen neuen Unterbrecher und Kondensator einbauen. Und siehe da, der nette Mann fand in seinem dunklen Keller tatsächlich die richtigen Teile! Und unerwarteterweise lief unsere Auto wieder wie neu! Tief in meinem Stolz getroffen fuhren wir Richtung Heimat.

Hab ich gedacht...Denn 50 km vor dem Ziel begann alles wieder von vorne...Also doch nicht die Zündung? Hab ichs doch gewusst!! Aber wieder falsch geraten...Des Rätsels Lösung war eine verbogene Grundplatte im Verteiler. Sobald die Unterdruckverstellung bei erhöhten Drehzahlen die Platte verdreht, treffen die Unterbrecherkontakte nicht mehr genau aufeinander...Mit dem neuen gings darum erst ein paar hundert Kilometer. Aber die Abnutzung war so natürlich immens.

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