Die Suche nach der perfekten 504 ti Automatique

 

Alles begann mit dem einfachen Wunsch nach einer 504 Berline für einen regelmässigen Besucher dieser Seite . Um die Suche ein wenig zu erschweren sollte es wenn möglich ein Ti mit der legendären Kugelfischer-Einspritzung und einem Automatikgetriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen werden. Während wir in den letzten Monaten auch immer wieder auf das eine oder andere Attribut verzichteten und trotzdem zu Besichtigungstouren quer durch die Schweiz fuhren, begannen sich die Vorstellungen bzgl. des Traumwagens zunehmend zu präzisieren. Sie sollten schliesslich in einer 'Suisse'- Ausführung kumulieren. Doch dazu später mehr. Dies erleichtert die Sache angesichts des dünnen Angebotes natürlich nicht unbedingt, lässt aber vermuten, dass auch in der neuen Saison einige interessante Ausfahrten im Ti des Webmasters mit anschliessendem Bier zu erwarten sind.

Objekt Nr. 1: 504 Ti 1978, 56000 km, 4-Gang manuell. Das Originalphoto der Annonce mag den einen oder anderen vielleicht ein wenig an David Hamiltons weichgezeichnete Soft-Erotik Mädchenposter aus den Achzigern erinnern... Für diese Geschichte bedeutet es den Anfang einer ganzen Reihe von Ortsterminen. In voller Schärfe betrachtet, offenbarte der Wagen mit der unglaublich tiefen Laufleistung leider einige Schwächen. Die Carrosserie hatte ihren Glanz weitgehend verloren und schrie nach einer Ganzlackierung, - wollte man wirklich einen schönen Wagen daraus machen. Unterschiedlichste Reifen ruhten auf rostgeplagten Felgen und eine Zierblende des Armaturenbrettes (ja die!) ist irgend einmal einer, im Aschenbecher unbeaufsichtigt niederbrennenden, Zigarre zum Opfer gefallen...Der Wagen war nicht geprüft und eine Probefahrt, mangels Nummernschild, nicht möglich. Somit fiel die Bremsprüfung ins Wasser. Zu guter Letzt überlebte die Kugelfischer-Membran einen 3/4-Gas-Test im Stand nicht. Dichter, schwarzbrauner Rauch nebelte die Einstellhalle nachhaltig zu. Der freundliche Verkäufer nahms erstaunlich locker und wischte stoisch die Hofeinfahrt. Positiv zu vermelden war, dass sich die Karrosserie erwartungsgemäss nahezu rostfrei präsentierte. Dies galt allerdings nicht für die vorderen Federbeinteller. Heute, nach unzähligen Misserfolgen tendiert der obengenannte 504-Interessent dazu, dieses Auto im weichgezeichneten Licht der Vergangenheit zu idealisieren. 'Warum hab' ich bloss auf dich gehört und ihn nicht gekauft?'

 

 

 

Einer vielversprechenden Annonce im Netz folgend, nahmen wir nur wenige Tage später die Fahrt quer durch die Schweiz in einem 605 Turbodiesel unter die Räder. Obwohl in GL-Ausstattung, weckte das ausgeschriebene Fahrzeug hohe Erwartungen, zumal es mit dem begehrten Code 180 geprüft wurde, was ein Vorführen alle 6 Jahre ermöglichen würde. Preis und Laufleistung überzeugten ebenfalls.
Die vermeintliche Schönheit stand dann bei einem 'Fähnchenhändler' wie er im Buche steht. Stets gutgelaunt, freundlich und hilfsbereit erklärte sich der Besitzer bereit, die Motorhaube den interessierten Touristen aus der Deutschschweiz zu öffnen...

Dieses Bild bot sich dem geneigten Beobachter kurz bevor der freundliche Händler begann den Haubenzug im Fussraum zu suchen. Das nächste Bild musste leider der Zensur zum Opfer fallen. Als 'Cul de Genève' soll die Episode alsbald in die Geschichte dieser Autosuche eingehen...

 

Weder in der Annonce noch auf dem Photo sichtbar ist, dass der gesamte Motorraum mit dem Pinsel (!) eingefärbt wurde; Teilweise unter Einbezug diverser Kabelstränge, Leitungen und Nebenaggregate...Ausgebleichte Blinker und einige handwerklich originell ausgeführte Korrekturen am formvollendeten Blechkleid liessen den Mut des Käufers schlagartig sinken und die Gedanken begannen sich schon vor der Probefahrt in Richtung Nachtessen zu bewegen. Selbige liess uns dann vollends an den Prüfnormen unserer französischsprachigen Miteidgenossen zweifeln. Sicher scheint zu sein, dass diese über Prüfgruben in ihren Testzentren verfügen müssen, denn auf eine Hebebühne hätte es der schlappe GL wohl kaum mehr geschafft. Dies angesichts eines Beschleunigungsvermögens, welches meinen J7 zum flotten Gran Tourismo befördert... Höchste Zeit also, sich eine Terrasse am Neuenburgersee zu suchen um wenigstens eine kulinarische Rechtfertigung für die 5 Stunden Autobahn zu finden...

 

 

Objekt Nr. 3: 'La parfaite'. Ein Auto wie aus einer anderen Welt! Der wunderbare Wagen lässt einem angesichts seines Erhaltungszustandes und seiner Kilometerleistung ehrfürchtig erstarren. Wohl nur noch dem Isenheimer Altar wurde mehr Aufmerksamkeit und akribische Pflege zugesprochen wie diesem Ti. Stolze 180'000 km wohlbehüteter Gleitflug und wohl etwa ebensoviele investierte Dukaten machen aus ihm ein Denkmal welches seinesgleichen sucht. Kaum ein Teil wurde noch nicht durch ein neues ersetzt, keinerlei Spuren ungebührlichen Gebrauchs stören den Eindruck; Noch nicht einmal die Spur eines Ölnebelchens verunstaltet den Maschinenraum und den Unterboden. Die massgeschneiderten (!) Schonbezüge und die nachgerüsteten Amil-Felgen runden das Bild eines 504 mit Neuwagencharakter ab. Der geneigte Leser mag nun vermuten, dass unser Kaufinteressent sofort zugeschlagen hat, zumal sich der verhandelbare Preis in realistischen Regionen bewegt. Hätte er wohl auch, würde dem Wagen nicht die begehrte Automatik sowie eine Servolenkung fehlen. Ausserdem wünscht man sich eine Farbe, welche die Siebziger wieder lebendig werden lässt. So wird uns also das Leiden des jungen Käufers noch länger begleiten.

 

 

'Nur leichte Gebrauchsspuren, garantierte Kilometer, Serviceheft, Winterreifen, frisch ab der sehr, sehr strengen Motorfahrzeugkontrolle und sofort einlösbar. 1. Hand von einem älteren Herren neu gekauft und selten benutzt. ( 75.000 km in 28 Jahren! ) 2. Hand von mir. Fahrzeug stand meist in der Garage und ist in absolutem Topzustand. (Fast) kein Rost, da Dintrolbehandelt (bis auf kleinere Stellen im Lack am Türrahmen aufgrund von Steinschlag), el. Fensterheber vorne, Original Blaupunkt-Radio, Innenraum wie neu. Scheckheft, Rechnungen für Wartungsarbeiten und Austausch von Benzinpumpe sowie Revidierung der Einspritzanlage liegen vor.'
So der Originaltext der Annonce für einen Ti Automaten, welcher durch sein unveränderliches Kennzeichen schnell seine Geschichte preisgab. Stand der Wagen einst bei einem Händler in Fribourg, wanderte er auf wundersame Weise zu einem zweiten Verkäufer in die Landeshauptstadt, um dann bei einem dritten in der Nähe von Zürich zu landen. Jede zurückgelegte Etappe liess den Preis um jeweils ca. 1000 Taler steigen, aber die Hasenscharte nicht verschwinden...An den Gestaden des Zürichsees wurde er dann vom selben Händler verkauft, welcher den obigen braunen mit der geplatzten Membran im Angebot hatte. Nur wenige Monate darauf erschien er dann wieder auf dem Markt. Die Frage nach dem Warum sowie die notwendigen Lackierarbeiten liessen unseren wählerischen Interessenten von einer Besichtigung absehen. Ob das ein Fehler war?

 

 

504 Ti Suisse der Unverkäufliche Nr. 1. Gut, das war eigentlich klar. Der Wagen mit Kilometerstand in der unteren Hälfte der ersten 50'000 steht da schon lange rum. Selbst schon vor 5 und 10 Jahren nachgefragt, bleibt der Besitzer konsequent. Auch unser zunehmend ungeduldig werdender Kaufinteressent musste die gleichen Worte vernehmen wie bisher jeder, der wusste, welche Pretiose sich da unter einem Wellblechdach im Hinterhof eines Löwenhändlers versteckt. Der Abschiedsgruss aus Socheaux wurde mit Colorglas, Tweedpolstern und Bicolor-Amils ausgerüstet. Vorboten der kommenden Achziger und damit des 505. Die Worte des sehr freundlichen Seniors lauten etwa so: ,Da müssen sie den Junior fragen, der 504 gehört ihm.' Der Junior (falls er grad umäwäg ist) erklärt dann, dass er den Ti damals neu gekauft und sofort zur Seite gestellt hat und er deshalb unverkäuflich sei. Hmmpf. Was soll man da angesichts solch' konsequenten Vorgehens noch sagen? Jede Widerrede ist zwecklos. Es bleibt der leise Neid und die quälende Frage, ob wir wohl alle zu spät geboren sind?

 

 

504 Ti Suisse in der Sonderedition 'sortie de la grange'. Und genau dieser Umstand bereitet unserem tapferen Interessenten seither schlaflose Nächte. Wäre ein echter Scheunenfund nicht die Krönung der Suche und gleichzeitig der perfekte Anfang einer lebenslangen Verbindung? In welchem Mann tauchen hier nicht verkappte Retterinstinkte aus tiefsten Seelengründen auf? Doch Gemach; Bisher leider ungeklärt bleibt, ob unser Held zum ungeküssten Froschkönig werden muss, oder ob er das rostfreie Burgfräulein als Ritter Löwenherz stolz in seine Heimat zurückführen darf. Bisher haben weder Diplomatie noch Grossoffensive und Guerillataktik zum Erfolg geführt...affaire à suivre

 

 

Erste Frühlingsstrahlen lassen manche Dinge wieder in freundlicherem Licht erstrahlen... Was hier aussieht wie die Kopie des - mittlerweile unfreiwillig zur Referenzkalesche aufgestiegenen - Webmasters 504, offenbarte bei genauer Betrachtung verdächtige Wellen unter dem zweiten Lack. Weniger versteckt, löste sich derselbe auf dem Dach an einigen Stellen und machte bereits neuem Rost platz. Strukturell ist der Wagen gesund, verlangt aber nach einer neuen Lackierung mit guter Vorarbeit. Die Probefahrt verlief zufriedenstellend, Automatik und Motor verrichteten ihren Dienst wunschgemäss. Für leichten Nervenkitzel sorgte im langweiligen Feierabendverkehr nur das Bremspedal, welches eine leichte Tendenz zum Durchfallen zeigte... Insgesamt sicher ein valabler Wagen, der aber noch einiges an zu bezahlender Arbeit bringen würde. Die technische Instandstellung sowie die notwendige Lackierung, in Addition zum selbstbewusst angesetzten Verkaufspreis trieben den zu erwartenden Einstandspreis in Höhen eines Pininfarina Coupés in absolutem Topzustand. Man ahnt es bereits: Unser Interessent konnte hier nicht zusagen.
Unsere Fahrt sollte trotzdem entschädigt werden, zeigte uns der freundliche Verkäufer doch noch diverse Schätze auf seinem Hinterhof und in dunklen Gemächern um denselben herum! 504 Break, 104 S, 304 Coupé, 504 Cab, 201, 203, Solex...

 

Die ersten Frühlingsstrahlen haben sich seit Ostern zu einem regelrechten Frühsommer gemausert, was unsere neueste Besichtigungstour zur perfekten Saison-Eröffnungs-Fahrt mit dem 304 Cabrio werden liess. Von dem Auto wussten wir schon länger. Der Besitzer bestand allerdings darauf, die Besichtigung erst vorzunehmen, wenn wirklich die letzten Salzmoleküle vom Asphalt gespült wären...

Zur Probefahrt mit dem Ti mit manueller Schaltung sollte es dann aber doch nicht kommen, da der Wagen immer noch wohlbehütet im Showroom des Vertragshändlers stand. Nom d'une Pipe...

Eingepfercht hinter diversen Neuwagen steht im blitzsauberen Showroom unser Objekt der Begierde: direkt neben einer 404 Limousine im 'Argentina Style' ! Die Lufthutze ist zeitgenössisch, entbehrt aber jeder Funktion, zumal die Haube darunter nicht geöffnet wurde. Sehr schön hingegen: Die gelben Marchal anti-brouillards!

Die Nervosität des Webmasters auf der Anfahrt hatte weniger mit der Fahrweise des -zum ersten Mal mit einer Peugeot-Stockschaltung (hier ist kein Gang!? Kriiikkkkkrzzzriiiii) der ersten Stunde konfrontierten- Kaufinteressenten zu tun, als mit der Tatsache, dass die Vorinformationen zum Ti vermuten liessen, dass der 'Referenzstatus' des Webmasters Ti wanken könnte (M'enfin?).
Eine leichte Beruhigung trat ein (bei mir, nicht beim unserem Interessenten), als sich der Wagen bei genauer Betrachtung als anständiger 3er entpuppte. Der Wagen ist innen und aussen sehr schön patiniert und macht einen gepflegten Eindruck. Laut Aussagen des Seniors müsste der Wagen 'so wie er da steht' geprüft werden können. Leichte Zweifel sind ob solcher Aussagen normalerweise angebracht, also strecken wir den Kopf mal ins Zwischendeck und inspizieren wir doch mal den Maschinenraum und zuletzt das Untergeschoss...

Diese Stelle im Zwischendeck sagt IMMER die Wahrheit über den Kariesbefall des gesamten Wagens. In diesem Falle erst leicht angegriffen und bereits zugebraten, kann davon ausgegangen werden, dass sich auf einer Bühne noch andere kleinere Rostherde zeigen würden. Unrettbar ist das nicht, aber halt auch nicht rostfrei. Der Motorraum zeigte sich sauber, überraschte aber mit einer originellen Konstruktion vor der Einspritzpumpe. In Ermangelung einer neuen elektrischen Bosch Vorförderpumpe (ja die!), wurde eine Zubehörpumpe mit Druckreduzierventil eingebaut. Soll einwandfrei funktionieren, konnten wir aber nicht testen. Der Unterboden zeigte sich - soweit sichtbar- in gutem Zustand, allerdings überraschten die letzen beiden Auspufftöpfe, welche aussahen wie geplatzte Havannas...Soviel zum Thema 'Prüfen wie er da steht'. Fazit: Ein Wagen ohne die gesuchte Automatik mit guter Substanz, charmanter Patina, und überschaubarem Aufwand. Der geneigte Leser weiss was jetzt kommt...Unser glückloser Interessent kann hier einfach nicht ja sagen! Aber wie auch? Irgendwie scheint in Folge des grassierenden Youngtimer-Hypes, vielen Verkäufern der Bezug zur Preisrealität verloren gegangen zu sein... Hier werden wiederholt für nicht fahrbereite, ungeprüfte Exemplare mit geschätztem Investitionsbedarf von 1'000-2'000.-- locker mal 8000 Schweizer Franken (5000 Euro) aufgerufen! Ganz schön selbstbewusst zumindest. Ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas zu den Preisen schreiben soll, steh ich doch im Verdacht parteiisch zu sein. Aber trotzdem: Meiner Meinung nach gibt es obigen Preis allerhöchstens für einen Ti im konsequenten Bestzustand. Also Zustand 1. Laut Classic-Data heisst das: Neu oder Besser. Nicht weniger. Solche Wagen stehen normalerweise in Pebble Beach oder Villa d'Este auf kurzem Rasen. Allerdings sollen dort noch keine 504 Limos gesichtet worden sein. Realistischer sieht es meiner Meinung nach Olditax, welche die Berline im neuesten 'Oldtimer Katalog Nr. 21' im Zustand 2 und 3 mit 6'000 Chf (3'700 Euro) bzw. 4'000 Chf (2'500 Euro) bewertet. Youngtimer-Hype hin oder her. Höhere Preise würden unserer Leidenschaft doch auch nicht wirklich zu Gute kommen. Zumindest gehe ich davon aus, dass keiner von euch da draussen eine 504 Limousine als Spekulationsobjekt in der Garage stehen hat. Da wende man sich wohl eher nach Coventry oder Zuffenhausen.
Wie immer erfolgte der Abschluss der Tour in Form eines perfekten Cordon Bleus mit einheimischem Bier im Emmentaler Gasthof (Die Sorte, in welcher es still wird, sobald Fremdlinge eintreten ;-)).


 

Für einmal befand sich unser 504-Freier alleine auf der Pirsch. Schliesslich musste der J7 am wunderschönen Sommerwochenende wieder einmal in die Südschweiz gefahren, und meine Prioritäten anders gesetzt werden. Eine perfekte Gelegenheit also, unseren, von leichter Verwirrung geplagten, Liebhaber alleine auf die Spuren des nächsten potentiellen Killer-504s zu schicken. Dies gibt uns doch die Gelegenheit, diesen einmal in einer Gastkolumne zu Wort kommen zu lassen...Ausserdem nutzen wir gleich die Gelegenheit um zu lernen, welche Art von jugendlichem Literaturgenuss zu ungeahnten hormonellen Verwirrungen im fortgeschrittenen Alter führen kann!

Lack und Leder

Marquis de Sade wäre stolz auf die 504-Eigner. Besonders die Praktik des "Gefällt-sie-Dir?-Du-kriegst-sie-aber-nicht!" beherrschen diese nämlich vortrefflich. Im Falle dieser sandfarbenen Berline war allerdings nur das Vorspiel dieser Natur: Eine der wenigen Antworten auf eine dreisprachige eMail-Attacke auf die Schweizer Peugeot-Garagen enthielt die Beschreibung einer wenig gefahrenen TI Automatique im Lederkleid, die bei mir ernste Schlafstörungen und bei meinem persönlichen Kaufberater Lederneid praecox in akutem Stadium hervorrief. Der Aufforderung nach einem Angebot blind folgend und den letzten zusammengesparten Fünfliber zu einer Kaufofferte zusammenraffend, traf mich der elektronische Peitschenhieb schon bald: das Angebot ist oK, nur: Platz ist genug da, bald gibt’s für den Wagen die Veteranen-Zulassung – eigentlich ist der Wagen gar nicht zu verkaufen...




Wie bitte?!? Ein perfekt redigierter Anzeigetext ohne Verkaufsabsicht? Ein 504-Eigner, der den Preis seiner Preziose nicht auf dem Niveau eines Mercedes 600 Pullmann ansiedelt? Ich war freilich bereits so aufgegeilt, dass ich auf einen masochistischen Hauptakt bestanden habe, ganz freiwillig... – diesen Wunder-TI (aus Witwen-Hand natürlich...) musste ich einfach sehen, auch wenn bittere Qual drohte! Handelt es sich um den ultimativen TI, der jedes weitere Suchen zur schmerzhaften Niederlage und jeden anderen 504-Kauf zum Schatten meines Begehrens machen würde? Ist es das Exemplar, das den Webmaster-504 als Gebrauchtwagen eines Zigeuners erscheinen lassen würde? Würde ich es auf ewig bereuen, nicht ein willenbrechendes Angebot jenseits jeder Vernunft unterbreitet zu haben? An einem sonnigen Morgen fuhr ich also im Zug (man weiss ja nie...) Richtung Osten – um ihm die Schmach einer allfälligen Enttrohnung zu ersparen für einmal ohne Begleitung meines Beraters. Ein Einfamilienhausquartier mit Formel1-Blumensträussen in den gepflegten Gärten, jährlich frisch gestrichenen KingSize-Garagetoren und riesigen Asphalt-Vorplätzen liess die Erwartungen ins Unermessliche steigen. Vom Vater des Eigners sehr freundlich empfangen, erhaschte ich einen ersten Blick auf den 504-Hintern. Schnell wurde klar, dass die 504 Berline auch in dieser Familie stets mehr als ein Gebrauchsauto war; die stille Überlegenheit, die 504-Fahrer und ihre Rücksitzpassagiere in den 70er-Jahre erfahren hatten, wirkt noch heute verbindend... Die Aufzählung einmal besessener Cinqcentquatres wollte kaum enden und deren sterblichen Reste werden offenbar sorgsam in Kellergemächern und Estrichverschlägen aufbewahrt (auch eine Nachrüst-Klimaanlage soll dort lagern!). Schliesslich wurde die frisch gewaschene, noch nasse Limousine aus der Garage in die grelle Sonne gefahren. Mit hastigen Fingern die Gummibänder der Schaffell-Wäsche gelöst – neuwertiges Leder!

Am Verschluss auf dem zartbraunen Wagen-Rücken gefummelt – glänzende Ersatzteile und das mich um den Verstand bringende Gummimatten-Benzin-Parfum, das nur 504-Kofferräume verströmen... Den Blick unter die Schürzen gewagt – rostfreie Beine!



Der Witwen-Wagen erwies sich als sehr gepflegtes, absolut rostfreies, grundsolides Fahrzeug. Doch das viele braune Leder konnte über eine deutliche Schwäche nicht hinwegtäuschen: die grossen Partien ausgebrannten Lacks auf dem Dach (Ist der beige Lack besonders sonnenanfällig? Jedenfalls habe ich dieses Schadensbild schon einmal an einem beigen 504 gesehen) hätten für meine Wünsche eine (Teil-) Neulackierung unumgänglich gemacht. Und damit den angebotenen Kaufpreis tüchtig relativiert.



Ein weiterer Mangel zeigte sich im Innenraum: offenbar war mit ungeeigneten Mitteln versucht worden, den décor chromé des Handschuhfachs zu reinigen – mit den bekannten gelben Folgen. Das scheint ein Detail zu sein, aber man finde einmal Ersatz...!



Die Messlatte mit des Webmasters TI liegt verdammt hoch... Trotz allem wäre dieser Wagen mit weniger als 100’000km auf der Uhr eine durchaus überlegenswerte Anschaffung – wenn er denn zu verkaufen wäre! Ganz umsonst war mein masochistischer Ausflug jedoch nicht – denn auch wenn Leder und Lack in bester Manier geglänzt hätten: ich weiss nun mit Bestimmtheit, dass ich mich vor einiger Zeit untröstlich in eine schlafende Prinzessin verliebt habe. Und für diese Liebe werde ich kämpfen!

Anmerkung des Webmasters: Warum nicht mal Cervantes Don Quichotte lesen?

 

ALARME! PERTURBATION IMPORTANTE!

Das musste ja mal kommen! Der immer wieder verschmähte Liebhaber wirft seine Mandoline verzweifelt auf das Pflaster und verlässt mit blutenden Fingern und schwerem Gemüt das schwach erleuchtete Fenster über ihm, vor welchem er viele Nächte lang seinem Schmerz und Begehren in bitteren Melodien Ausdruck gegeben hat. Es begab sich also, als er mit müden Schritten nachhause wanderte, dass ihm aus dem Dunkel am Wegesrand eine wunderbare, süsse Weise vom lauen Abendwind zugetragen wurde. Sein wundes Herz, wehrlos, führte ihn durch die Büsche auf eine, vom Mond sanft erleuchtete, Lichtung. Dem Armen stockte der Atem. Da stand eine, in wunderschönes Gewand gehüllte, automobile Verführung der Oberklasse und reckte sich ihm willig entgegen! Da steht er nun, der arme Tor...

 

Und weiter ging auch den Sommer über unsere Suche nach der perfekten TI Limousine! Was denn genau 'perfekt' bedeuten soll, wird uns aber noch drei Episoden lang verborgen bleiben. Fest steht nur, dass das Leiden noch lange kein Ende nahm...Doch lassen wir doch unseren 504 Liebhaber auf Freiersfüssen wieder selbst zu Wort kommen!


Rüüdig* schöne cheibe** Wage

Opfer der Restrukturierungswelle geworden (zum Beispiel weil sie die geforderten Showrooms nicht bauen wollten / konnten, zuviel altes Blech ums Haus hatten o.ä.), soll es Peugeot-Garagisten gegeben haben, die in ihrer verständlichen Wut alles verkauft haben, was das Löwenemblem trug – auch ganze Kollektionen von über lange Jahre gesammelten Autos. Irgendjemand muss doch diese Werkstattchef-gepflegten Wagen gekauft haben, oder? Einem solchen Hinweis folgend reiste der verzweifelt Suchende in die Urschweiz: ein goldener (!) TI Automatique mit Lederausstattung und tiefem Kilometerstand sei dort vor ein paar Jahren Objekt eines solchen Frustverkaufs geworden und in der Nähe der in x-ter Generation geführten entlöwten Peugeot Garage geblieben sein. Tatsächlich war der Käufer ausfindig zu machen und ein Besichtigungstermin der dem geneigten Leser bereits nähergebrachter masochistischen Art konnte nach telefonischem Abhören nicht enden wollender Lobeshymnen vereinbart werden (dass der in der Verklärung zum goldenen Prinzen geküsste froschgrüne TI unverkäuflich ist, versteht sich ja mittlerweilen von selbst. So blieb denn auch mein persönlicher Berater getrost zuhause...). Nachdem eine Kollektion Käfer und Caravellen besichtigt, die Wasserschildkröte bewundert, die Einmischung des Staates in Alles und Jedes beklagt und den künftigen Erben all dieses Elends ausgiebig die Hand geschüttelt war, führte eine längere Fahrt hinter einem 406 (seinerseits ein rüüdig schöner cheibe Wage) irgendwo aufs Land, wo niemand einen 70er-Jahre-Wohnblock mit rüüdig vielen Einstellboxen vermuten würde. Wobei die beiden geöffneten weit mehr waren als simple Einstellboxen. Es waren Meditationsräume, ausgestattet mit Perserteppichen, Bierfässer-Hockern (wahlweise Schweizer oder Innerschweizer Grossbrauerei), Fotos von allen je besessenen Vierbeinern und –rädern, lauwarmen Biervorräten (wahlweise Schweizer oder Innerschweizer Grossbrauerei), Radio-Beromünster-Empfangsgeräten (wahlweise dumpfe oder sehr dumpfe Klangeinstellung) – eigentliche Schreine für zwei Präziosen: zwei kaum je bewegte Peugeots in grünen Tönen, 404 und 504. Erst nach einem rüüdigen Schluck (die Wahl fiel auf die Innerschweizer Grossbrauerei) durfte der 504 gestartet und süüferli*** aus dem Schrein gerollt und der Kilometerstand damit um fast ein Promille erhöht werden. Leder, Lack, Automat, alles dran. Rüüdig schöne cheibe Wage. Unverkäuflich. Die Wahl viel noch einmal auf die Innerschweizer Grossbrauerei. Warum tu’ ich armer Cheib mir das an?

* Luzerner Dialektwort. Wahrscheinlich von Standarddeutsch räudig als zunächst ironische Bedeutungsumkehr, vgl. mordsmäßig. Analog zu „sehr“, aber stärker, zur Steigerung von Adjektiven und Verben, auch allein als Adjektiv im Sinn von "sehr gut", "sehr schön" u.ä.
** Cheib = urspr: Aas, heute Kraftausdruck; cheibe (Adjektiv) = verflixt
*** vorsichtig

 

ZUM TEIL 2

 

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